Zum Geiereck ├╝ber den Ostgrat (keine Fotos, viel Blabla)

Geschrieben am: 20.08.2008 11:26
Abgelegt unter: Bergtouren, Gef├╝hltes

Als ich letzte Woche auf dem Geiereck stand, lachte mich aus der Tiefe der Ostgrat an. Zuhause las ich noch einmal nach, dass tats├Ąchlich ein IIer Weg hinauff├╝hrt. Gestern hatte ich Zeit, Gewitter waren erst f├╝r den Abend angesagt, also nichts wie los.

Wenn Ostgrat, dann ganz, deshalb stieg ich von Hangendenstein hinauf. Dieser Steig ist im unteren Bereich nicht markiert, ab 900 m finden sich Markierungen in drei verschiedenen Farben. Holzreste k├╝nden von einer ehemaligen Jagdh├╝tte, danach ├╝berwindet man steile Grasflanken, bis man den Grat erreicht. Vom Drachenloch ist nichts mehr zu sehen, es ist schon vor Jahrzehnten eingest├╝rzt. Alles korrodiert und rutscht zu Tal hier herum. Weiter oben am Ostgrat ist die Grasnarbe an vielen Stellen bereits so d├╝nn, dass die nackten Karren hervortreten. Aber soweit bin ich noch nicht.

Im AV-F├╝hrer habe ich gelesen, dass heutzutage f├╝r den Ostgrat meistens der Weg ├╝ber das Laterndl genommen wird. Der ist mit III- angegeben. Aber wenn die Leute da alle raufspazieren, kann das ja nicht so schlimm sein.
Also suche ich mir zun├Ąchst diesen Anstieg. Allerdings habe ich da keinerlei Chance, und die Sache endet damit, dass ich neben der eigentlichen F├╝hre in einem Kamin stecke, durch den mein Hintern nur seitlich passt. Also muss ich den Rucksack runterschmei├čen, um ├╝berhaupt irgendwie weitermachen zu k├Ânnen. Ich steige noch ein bisschen weiter, aber oben kann ich auch nicht zum Weiterweg queren. Ich schaue bis zur Brust oben aus dem Kamin heraus, hinauf zur Seilbahn, die ├╝ber mich hinwegf├Ąhrt, und komme mir vor wie ein Erdh├Ârnchen.

Ich versuche in dem Kamin wieder runterzukommen - vorw├Ąrts, r├╝ckw├Ąrts seitw├Ąrts? Keine Ahnung. Angeblich kann man sowas ja nicht lernen, sondern macht das intuitiv. Sagt jedenfalls Jens. Ich allerdings h├Ątte jetzt gern eine klare Gebrauchsanweisung. Mangels dieser dauert die Sache etwas l├Ąnger.  Ich hoffe nur, dass mich von der oberen Rositten aus niemand beobachtet. Unweit grasen zwei G├Ąmsen, die dauernd Steine heruntertreten, die lenken hoffentlich von mir ab.

Jedenfalls bin ich froh, als ich wieder festen Boden unter den F├╝├čen habe. Ich sammle meinen Rucksack ein und gehe ├╝ber inzwischen ersp├Ąhten kleinen Sattel eine Gamskot-reiche und daher Brennessel-bewachsene Schuttrinne hinunter zum anderen Ansteig auf den Ostgrat.

F├╝r die Beschreibung verweise ich auf den AV-F├╝hrer da steht alles ziemlich genau drin. Ich h├Ątte nur die rauskopierte Beschreibung nicht zu Hause liegen lassen sollen. Am Geiereck sind unglaublich viele G├Ąmsen unterwegs, daher f├╝hren Spuren in alle Richtungen, so dass die Wegf├╝hrung alles andere als klar ist. Jedenfalls mir.

Bis zum Wandbuch ist die Sache noch recht eindeutig. Dort sehe ich, dass ein Bekannter von mir genau heute diesen Weg ebenfalls gegangen ist. Als echter Profi nat├╝rlich fr├╝her am Tag und ├╝bers Laterndl. F├╝r manche Leute ist das jedoch nicht tagesf├╝llend,  so dass er am Nachmittag noch das zweite Watzmannkind bestieg.

weil ich noch schwieriger herumsteige, als es eigentlich notwendig w├Ąre und dann noch zum eigentlichen Weg zur├╝ck muss. Mir hingegen reicht es eigentlich jetzt schon. Ich hoffe, dass ich die letzte Bahn noch bekomme, die f├Ąhrt um 17.30. Aber ich komme nur langsam voran und verliere au├čerdem zweimal den Weg und dadurch sowohl Zeit als auch Schneid,

W├Ąhrend ich mich gerade irgendwo neben dem Weg durch eine Latsche w├╝hle, sehe ich pl├Âtzlich schr├Ąg ├╝ber mir einen Geier kreisen. Er schaut herunter, dreht noch eine Runde, dann aber ab, als ich keine Anstalten mache spontan zu verenden. Naja, wahrscheinlich schaut er doch eher in das tiefe Tal neben mir, in das bestimmt ├Âfter mal eine G├Ąmse f├Ąllt. Die Digicam lag zu Hause, daher kein Beweisfoto. War auch besser so, denn vorher hatte ich ja noch mit dem Rucksack geworfen.

100 m unter dem Gipfel geht mir das Wasser aus; ich hatte ├╝ber zwei Liter dabei. Ich glaube, ich habe auf keiner Tour bisher so viel getrunken wie hier. Kurze darauf sehe ich auf einem Latschenk├Âpfel eine gro├če Blechdose stehen, randvoll mit Wasser. Ich trinke aus der Dose, obwohl undefinierbare Dinge darin schwimmen. Ich muss noch einen steilen Aufschwung direkt neben einem hunderte Meter tiefen Abgrund rauf und habe Angst, dass sonst meine Konzentration nachl├Ąsst.

Kurz nach 18 Uhr stehe ich auf dem Geiereck. Die Bahn ist weg. Am Zeppezauerhaus ist noch Leben, ich esse eine Kaspresskn├Âdelsuppe, f├╝lle meinen Wassersack und tape mein linkes Knie f├╝r den Abstieg ├╝ber den Reitsteig. Au├čerdem bestelle ich meinen Schnubbel zum Endpunkt.

Der Abstieg verl├Ąuft problemlos, wenn man von vier etwas lauten Russen absieht, die hinter mir herlaufen, jedoch mit zunehmender Meterzahl immer leiser werden. Als ich meine Stirnlampe einschalte, heften sich zwei unbeleuchtete Slaven an meine Fersen, w├Ąhrend die anderen beiden anscheinend im Dunkeln sehen k├Ânnen und vorwegrennen, um unten ihren Autoscheinwerfer einzuschalten.

Ach ja, vielleicht war ich auch deshalb nicht ganz in Topform, weil ich am Tag vorher mit dem ├Ąrztlich verordneten Hypertrophietraining zur Kniestabilisierung angefangen hatte.


Kommentare

Anzeige: 1 - 2 von 2.

Gisi
  Samstag, 01-10-11 22:46
Das Beste, was ich je gelesen habe :-))) Servus die Lachmuskeln !!! Ich kann nicht mehr!

Monika Hartwig aus Busendorf

moni-alpenros@t-online.de

 
Mittwoch, 09-11-11 15:57
Hallo liebe Ika - da warst Du ja wieder mal auf adventure-tour. Man man man ich dachte schon, die Bergwacht muss an irgendeiner Stelle Dich ausgraben kommen - aber dann dachte ich mir wieder, dass Du ja einen 7. Sinn f├╝r das Gel├Ąnde hast. Schlie├člich hab ich mich Dir auch schon anvertraut und mir ging es dabei richtig gut.Mut hast Du ja immer wieder - oder sagen wir mal : Du bist eine Schneidige!!! Aber richtig! Bis dann mal wieder - Moni

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