Keine blaue Plastikt√ľte im Schnee

Geschrieben am: 20.12.2008 22:00
Abgelegt unter: Aktuelles, Gef√ľhltes

Zuerst die gute Nachricht: Der Mann mit der blauen Plastikt√ľte lebt! Ich traf ihn heute unterhalb der K√∂nigsbachalm. Selbstverst√§ndlich ohne Ski und ohne Schneeschuhe.

Schon die ganze Zeit hatte ich die Spuren gesehen und mich gefragt, wer da wohl heute zu Fu√ü hoch geht. Es passiert mir sehr selten, dass ich jemand erkenne, der mich nicht erkennt. Aber die Stimme plus leicht unpassender Ausr√ľstung waren unverkennbar ‚Äď und das sogar ohne blaue Plastikt√ľte. Ich selbst war unten beim Gro√üparkplatz los gegangen und wollte eigentlich hinten rum zum Jenner.

Von diesem Vorhaben lenkten mich Spuren ab, die r√§tselhafterweise Richtung K√∂nigstalalm abzweigten. Ich hinterher, mal gucken, was die vorhaben. Die hatten nichts vor, standen hinter dem n√§chsten Felsen und telefonierten, weil sie sich verlaufen hatten. Das war dumm f√ľr mich, denn ich musste so tun, als w√ľrde ich mit voller Absicht hier herumlaufen.

Also spurte ich an den dreien vorbei. Die sahen sich das nicht lange an, sondern kamen in meiner Spur hinterher. Nett wie ich bin, lie√ü ich sie wieder vorbei‚Ķ an der K√∂nigstalalm trenntenwir uns wieder, denn die drei gingen weiter durchs Tal, w√§hrend ich mich f√ľr den Berg entschied. Nicht ganz superschlau, aber immerhin individuell. So durfte ich meine ersten Spitzkehren im weichen tiefen Schnee anlegen. Letzten Januar mit Schneeschuhen ging das irgendwie einfacher. Aber da war auch der Schnee anders.

Der Schnee tut schon ein bisschen komisch, bei einigen Schritten bilden sich meterlange d√ľnne Risse. Dass wir einen Lawinendreier haben, ist mir eh bewusst. Aber letzten Endes geht es um weniger als 100 Hm, und ich wei√ü auch, wie der Boden unten drunter aussieht.

Oben denke ich, dass ich am liebsten hier abfahren w√ľrde, es ist von der Steilheit gerade an der Grenze dessen, was ich mir zutraue. Aber ich sch√§tze die Chance, am Ende bis zur Brust im Schnee zu stecken, ziemlich hoch ein. Also wandere ich weiter √ľber den R√ľcken. Ich habe gar nicht mehr in Erinnerung, dass es dort auf und ab geht. Das ist bl√∂d. Au√üerdem f√§ngt genau jetzt ein Sturm an, der sich gewaschen hat. Also felle ich mitten auf dem R√ľcken ab und fahre durch die Latschen nach Norden runter zum Weg. Irgendwie ist das Ganze unbefriedigend, und ich √ľberlege, ob ich doch noch zum Jenner hoch gehen soll. Eine Spur w√§re von hier aus netterweise wieder vorhanden.

Aber ich hab keine Lust mehr. Meine H√§nde sind kalt, und der Wind pfeift oben bestimmt noch mehr als hier. Ich ziehe die dickeren Handschuhe an und fahre den Forstweg runter. Auch das muss ich schlie√ülich √ľben, jawohl. Es geht eigentlich ganz gut. Aber der Schnee ist jetzt auch noch weich. Im Fr√ľhjahr, wenn sich lauter feste Rinnen gebildet haben, ist es wieder was anderes.

Unterhalb der K√∂nigsachalm fehlt teilweise der Schnee komplett, noch mehr als beim Aufstieg, es muss w√§rmer geworden sein. Merkt man gar nicht bei dem Wind. Ganz zum Schluss quere ich auf die Skipiste hinaus, die im unteren Bereich gesperrt und entgegen vollmundiger Ank√ľndigungen keineswegs bis ins Tal befahrbar ist. Jedenfalls nicht offiziell.

Auf der Schneekanone, an der ich vorbei fahre, steht ‚ÄěWhisperer‚Äú. Da f√§llt mir die Geschichte ein, die ich gestern im ORf gesehen habe: Eine Deutsche kaufte sich in Flachau ein Haus neben einer Skipiste und verklagte dann die Pistenbetreiber wegen n√§chtlicher Ruhest√∂rung. Sie sollen gef√§lligst die Schneekanonen nachts ausschalten.

Das erinnert fatal an St√§dter, die aufs Land ziehen und dann dort Misthaufen sowie kr√§hende H√§hne bem√§ngeln. Im √ľbrigen habe ich in der Sch√∂nau vier Jahre lang ebenfalls neben einer Schneekanone (vom Gr√ľnsteinlift) geschlafen. Es stimmt, dass man sie nachts h√∂rt. Aber das v√∂llig gleichm√§√üige Ger√§usch hat nicht einmal mich gest√∂rt. Ganz im Gegensatz zum Schnarchen meines Mannes und vielen anderen Dingen.


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