Schneeschuhtour an Silvester: Törlschneid, Karschneid

Geschrieben am: 01.01.2009 23:07
Abgelegt unter: Bergtouren

Nach zwei kleineren SkispaziergĂ€ngen auf der Postalm und zum Rossfeld an den Weihnachtstagen habe ich fĂŒr diese Kammwanderung zu Silvester mal wieder die Schneeschuhe ausgepackt.

Die aussichtsreiche Tour im Lattengebirge habe ich auch schon im Sommer gemacht. Im Winter ist sie etwas anstrengender.

Vom Wanderparkplatz am Frechenbach geht es zunĂ€chst ĂŒber die Forststraße und spĂ€ter den bezeichneten Weg Richtung Mitterkaser. Von dort etwas steiler bis zum lawinösen Gipfelhang der Törlscharte. An diesem Hang bin ich bei einer frĂŒheren Winterwanderung wegen Schneerutschgefahr umgekehrt. Diesmal sieht es etwas besser aus, obwohl es auch schon warm wird, eigentlich viel wĂ€rmer als angesagt. Da ich die Querungen des Sommerweges mit den Schneeschuhen nicht mitmachen kann, steige ich rechts vom Weg steil und schweißtreibend zwischen BĂ€umen auf und quere erst kurz unter der Scharte wieder zum Weg.

Oben an der BergwachthĂŒtte wechsle ich mein völlig durchnĂ€sstes Unterhemd. Ein Bergwachtler mit einem sehr schönen SchĂ€ferhund ist auch da. Aus seinem FunkgerĂ€t tönen in schneller Folge Schreckensmeldungen. Eine hört sich an wie: „Mir ham hier a Leich“. Aber mein Berchtesgadenerisch ist ja nicht so berĂŒhmt.

Er fragt, ob ich jetzt den gleichen Weg wieder runter gehe. Als ich erzĂ€hle, dass ich ĂŒber den Kamm will, schaut er bedenklich, so dass ich mich gemĂŒĂŸigt fĂŒhle, ihn zu beruhigen: „Keine Sorge, brauchst mich nicht retten, ich kenne den Weg.“ Er fragt ob ich ein Handy dabei habe. Ja, hab ich. Darauf er: „O.k., dann rette ich dich spĂ€ter.“ Sehr nett.

Ich ziehe weiter und stelle schnell fest, dass der Bergwachtler offensichtlich selbst ĂŒber den Kamm gekommen ist, mit Skiern. Und ich muss zugeben, dass ich ohne seine Spur wahrscheinlich beim Point of no Return irgendwo auf dem Kamm hĂ€tte umkehren mĂŒssen, denn ich habe die SchneeverhĂ€ltnisse völlig falsch eingeschĂ€tzt. Ich hatte mit hartem Schnee und einem abgeblasenen Kamm gerechnet. Aber abgeblasen ist hier gar nichts, und immer wieder habe ich sogar mit total weichem Pzulver zu tun. Außerdem stollen meine Schneeschuhe wie irre.

Ganz trivial ist es auch mit Spur nicht. Dort, wo der Kamm eher ein Grat ist und im Sommer umgangen wird, kommt kein sanfter SchneerĂŒcken zustande, sondern eine spitz zulaufende gezackte Angelegenheit mit Stolperlöchern. Es ist zu viel Schnee, um den Sommerweg zu finden und zu wenig, um die von Kyrill gefĂ€llten Baumleichen sicher zuzudecken. So wird aus der Kammwanderung stellenweise eine Stammwanderung.

Links geht es steil abwĂ€rts. Wenn die Skispur in diese Flanke ausweicht, folge ich lieber nicht, sondern gehe auf dem Grat weiter, auch wenn der aus seltsamem Material besteht. Teils gehe ich ĂŒber liegende BĂ€ume, teils ĂŒber kleine Felszacken oder eigensinnige Latschen, die unbedingt genau am Scheitelpunkt wachsen mĂŒssen.

Wieder einmal fÀllt mir auf, dass das einzige Kreuz auf diesem Kamm nicht an der mit 1662 m höchsten Stelle steht, sondern auf dem lediglich 1641 hohen Karspitz.

Von diesem Gipfel aus geht es dann einfacher weiter, als ich gedacht hatte. Ich hatte Zweifel, ob ich ĂŒberhaupt vorwĂ€rts weiter komme und mich schon darauf eingestellt, ein StĂŒck zurĂŒck gehen zu mĂŒssen, um den Weg Richtung Mordau zu erreichen. Doch man kann problemlos durch zwei steile Schneerinnen absteigen, die im Sommer unbegehbare Schuttrinnen sind. Ich werde mich wahrscheinlich nie daran gewöhnen, dass die optimale WegfĂŒhrung in den Bergen immer von den VerhĂ€ltnissen abhĂ€ngt.

Dann noch eine Überraschung: Am Sattel zwischen Karspitz und Jochköpfel, wo mein Steig auf den bezeichneten Weg trifft, versperrt eine in Richtung Mordau ĂŒberhĂ€ngende WĂ€chte den Weg nach unten. Da werden vor ein paar Tagen die Wanderer dumm geschaut haben. Inzwischen sind bereits Stufen hineingeschlagen, so dass die Überwindung kein ernsthaftes Problem darstellt. Danach ist der Weg einfach, und ich erreiche fast auf die Minute in der geplanten Zeit von 7 Stunden mein Auto. Aber wie gesagt, ohne den Skifahrer hĂ€tte ich wohl umkehren mĂŒssen, um rechtzeitig fĂŒr Silvesterverschönerung und Nach-MĂŒnchen-fahren wieder daheim zu sein.


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