Drittelreibe mit Schneeschuhen

Geschrieben am: 22.05.2009 17:24
Abgelegt unter: Bergtouren

Route: Jenner Bergstation, Schneibstein, Windschartenkopf, Hochseeleinkopf, Kahlersbergnieder, ganz lange nichts, Einfahrt zum Eisgraben. Und am n├Ąchsten Tag runter nach Salet.

Wie ├╝blich starte ich am sp├Ąten Vormittag: Gegen elf besteige ich die Jennerbahn, die neuerdings f├╝r eine Bergfahrt den seltsamen Preis von 15,10 verlangt. Also habe ich jetzt wieder genauso viel Kleingeld in der Tasche, wie ich soeben im Auto aussortiert habe. Am Schneibstein treffe ich ein Birkhuhnpaar, ansonsten nur wenige Leute. Die Kleine Reibe wurde aber schon zu Fu├č begangen.

Gegen 15 Uhr bin ich am Hochseeleinkopf, zu Fu├č von unten durch den Stiergraben w├Ąre es fast schneller gegangen. Jetzt erst kommen die Schneeschuhe zum Einsatz. Skispuren sind keine mehr zu sehen, der Regen hat alles weggewaschen.

Die Skifahrer fahren wohl ab durch die Mitte bis zum tiefsten Punkt und steigen dann auf zum Kahlersbergnieder. Ich w├Ąhle lieber einen Rechtsbogen, um nicht ├╝ber die ├Ąrgsten Karren zu gehen, denn zu diesem Zeitpunkt wei├č ich noch nicht, ob der Schnee noch ├╝berall tr├Ągt. Die Sorge stellt sich jedoch als unbegr├╝ndet heraus, mit den Schneeschuhen falle ich in kein einziges Loch. Ohne diese h├Ątte das jedoch anders ausgesehen, das merke ich, wenn ich beim Rasten die Schneeschuhe abnehme.

Ich erreiche den Ausl├Ąufer des Kahlersbergs h├Âher als notwendig, macht aber nichts, denn von hier habe ich eine sch├Âne Aussicht Richtung Eisenpfad und Hochs├Ąul. Nach genossenem Rundblick gehe ich runter zum tiefsten Punkt, dem Kahlersbergnieder. Anschlie├čend halte ich immer auf den Bl├╝hnbachkopf zu.

Den optimalen Weg finde ich wohl nicht, zwei gr├Â├čere Gruben kann ich nicht umgehen und muss zwanzig oder drei├čig Meter rauf und runter. Steindauben gibt's hier zwar jede Menge, aber die meisten stammen von ausgeflippten H├Âhlenforschern und zeigen keinen Weg, sondern sind kreisf├Ârmig um irgendwelche wahnsinnig interessanten L├Âcher im Boden angeordnet.
Dann sehe ich wieder rote Flecken im Schnee, das muss Fr├╝chtetee (oder Gl├╝hwein ?) sein. Also bin ich doch ziemlich richtig. [Editiert: Inzwischen habe ich gelesen, dass das Rote sogenannte Schneealgen sein sollen. bin aber nicht ├╝berzeugt.]

Es ist ein befriedigendes Gef├╝hl, dass ich die umliegen Berge inzwischen halbwegs identifizieren kann: links Lengtalschneid und Paradeisk├Âpfe, rechts die Kragenkn├Âpfe. Geradeaus der Bl├╝hnbachkopf und rechts davon, bereits jetzt teilsweise gr├╝n, der Wildpalfen.

Zweimal kreuzen sp├Ąrlich bedaubte Wegf├╝hrungen, zuerst die Linie vom Laubseelein durch den B├Ąrensunk Richtung Paradeis und dann jene von der Schreck Richtung Leitungssteig. Aber wie gesagt, den Dauben sollte man hier keinesfalls vertrauen. Sonst steht man meist schnell vor einer H├Âhle oder f├Ąllt direkt in ein Loch im Karstboden. Insofern sind viele der Dauben bei schwacher Schneeauflage sogar eher als Warnung zu verstehen.

Schlie├člich erreiche ich den Fu├č des Bl├╝hnbachkopfs. Eine markante Rinne f├╝hrt hinauf, die gef├Ąllt mir aber nicht, weil ich nicht von einem der rechts h├Ąngenden Schneebatzen erschlagen werden m├Âchte. Daher halte ich mich weiter links, wo schon die Schrofen herausschauen. Die Schneeschuhe m├╝ssen ab und rauf geht's, inzwischen schon etwas m├╝de.

Warum bei der Tourbeschreibung immer vom Jagerbrunntrog die Rede ist, bleibt mir schleierhaft, denn der hat eigentlich mit der ganzen Sache nichts zu tun. Die Route verl├Ąuft zwischen Bl├╝hnbachkopf und Wildalmriedel und zweigt dann rechts ab zur Einfahrt in den Eisgraben. Genau an dieser Stelle schmei├če ich mich in eine kleine Mulde in den Karren. In der Nacht ist es windstill und warm. Diverse knirschende Ger├Ąusche sind zu h├Âren.

(Editiert: Inzwischen habe ich mal versucht, das aufzukl├Ąren. Es gibt gibt hier eine Diskrepanz zwsichen der AV-Karte und AV-F├╝hrer. In der Karte ist es so eingezeichnet wie von mir beschrieben. Im Textwerk hingegen sind Wilmalmriedel und Bl├╝hnbachkopf identisch. In jedem Fall bleibt aber der Jagerbrunntrog der Muggel s├╝dlich von Bl├╝hnbachkopf, n├Ąmlich direkt an dem Grat, der von der Eisgrabenscharte herauff├╝hrt.)

Am n├Ąchsten Morgen sehe ich Steinbockspuren, nur zwanzig Meter von meinem Schlafplatz entfernt. Oben auf der Kante des Wildalmriedels steht ein Steinbock und schaut zu mir her├╝ber. Er macht sich auch gleich auf den Weg, und kaum habe ich das Feld ger├Ąumt, kontrolliert er, ob auch alles ordentlich verlassen wurde.

Inzwischen bin ich - Schneeschuhe auf dem Rucksack - die halb apere Einfahrt zum Eisgraben hinunter gestiegen. Dann wieder links von mir Steinschlag. Siehe da, der Steinbock ist mir nachgestiegen. Er hat eine Verabredung weiter unten mit einer Dreiergruppe. Die Verhandlungen laufen aber nicht gut, man pfeift sich an. Genau hier muss ich vorbei. Drei gehen nach links beiseite, der gr├Â├čte bleibt rechts auf dem Felsen stehen, das Schw├Ąnzchen steil aufgerichtet. Ich murmle: "Tut mir leid, bin gleich weg", und falle auch schon auf den Hintern, weil meine Schneeschuhe stollen udn nach vorne wegrutschen. Der Gesichtsausdruck des Bocks wechselt von  ├ärger auf Verwunderung. Bilde ich mir jedenfalls ein.

Etwas weiter unterhalb muss ich etwas suchen, bis ich den Durchstieg finde. Um mir die Suche zu erleichtern, werfe ich erstmal den schweren Rucksack runter, was leider die Kamera nicht ├╝berlebt.

Beim weiteren Abstieg sehe ich insgesamt f├╝nf Hirschk├╝he. Die machen aber nichts Interessantes, sondern laufen blo├č weg.

Richtung Salet w├Ąhle ich den Weg rechts herum. Da gibt's noch einen Lawinenrest unter der Laubwand und im weiteren Verlauf den ├╝blichen Fr├╝hjahrszustand mit Matsch, querliegenden B├Ąumen und ausgerissenen Sicherungen. Zwei P├Ąrchen, die zur Gotzenalm wollen, kommen mir entgegen.


Kommentare

Noch keine Kommentare zu diesem Beitrag vorhanden.

Mein Kommentar

Vorname:* Nachname:
E-Mail: Homepage:
Aus Ort:
Kommentar: *
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn du das Wort nicht lesen kannst, hier klicken.