Kahlersberg und weiter

Geschrieben am: 09.06.2007 19:13
Abgelegt unter: Natur, Bergtouren

Der Weg auf den Kahlersberg ist einfacher als ich dachte. Von Hinterbrand brauche ich dreieinhalb Stunden. Aber oben bläst es mich fast weg. Jetzt weiß ich, warum der Kahlersberg so kahl ist. In einem kleinen und in weiser Voraussicht bodennah befestigten Holzverschlag steht ein Jesus in Handfesseln. Von Kreuz keine Spur, statt dessen hat der gute Mann neben sich die Metalldose mit dem Gipfelbuch.
Auf der R√ľckseite - also Ostseite - des Kahlersbergs f√ľhren mehr Wege hinunter, als man denkt. Zwei Leute mit Funkger√§t, die kurz nach mir oben eintreffen, verschwinden etwas unterhalb des Gipfels nach Nordosten. Ich gehe noch weiter an der Kante entlang, weil das nicht der Weg zum Eisenpfad sein kann. Spontan beschlie√üe ich sowieso, nicht den Eisenpfad hinunter zu gehen, sondern am Hochs√§ul und Laubsee vorbei √ľber die Hochfeldk√∂pfe und Hanauerlaub Richtung Wasseralm. Den Weg kenne ich bereits zum guten Teil, letztes Jahr mit meinem kranken Knie hab ich daf√ľr noch zwei Tage gebraucht - ohne Kahlersberg.
Unterwegs begegne ich einem Rudel von sieben frischgebackenen G√§msenmamis mit Kitzen. F√ľr ihr Alter sind die kleinen schon unglaublich fix auf den Beinen. Ein Foto ist leider nicht drin.
Bei den Hochfeldk√∂pfen versuche ich aus Neugier, die im DAV-F√ľhrer beschriebene "zum Biwakieren geeignete H√∂hle" zu finden. Tja ich wei√ü nicht, was f√ľr Fakiere hier schon √ľbernachtet haben, aber was ich finde, ist ein kleiner Unterstand, dessen Boden aus kopfgro√üen scharfkantigen Steinen besteht. Mit zehn Isomatten k√∂nnt's gehen. Oder man nimmt 'ne Sense mit und heut erstmal den Hang ab, zwecks Polsterung.
Genau wie letztes Mal verliere ich zwischendrin den Weg vom Hanauerlaub zur Schreck, treffe ihn dann aber problemlos wieder. Oder vielleicht ist auch das der Weg, was ich f√ľr keinen Weg hielt. Von da ist es nur noch ein Katzensprung bis zum Reitweg. Doch dann f√§llt mir ein, dass ich eigentlich doch besser zur Gotzenalm gehen sollte, weil man da telefonieren kann. Also h√§nge ich nochmal drei Stunden dran.
Der Erdrutsch beim Übergang von der Röth Richtung Landtal von vor drei Wochen ist auch schon perfekt beseitigt, und auf den Gotzenalm ist alles wie immer. Außer dass der neue Kaser fertig ist und es damit jetzt 65 Lager gibt. Ich komme abends um 9 an und kriege Nr. 64.
Morgens lasse ich mir Zeit, die Tour war ja ziemlich lang. Ich gehe dann nur noch √ľbers Laafeld, das ich mir diesmal rundum ansehe. Dort oben gibt es viele G√§msen, doch nur ein Molch l√§sst sich so richtig fotografieren.
Danach gehe ich die kleine Reibn hoch und will dann zwischen Fagstein und Reinersberg hindurch zur K√∂nigstalalm. Ich bin dort schon √∂fter gegangen und wei√ü, dass prinzipiell ein gut mit Steinm√§nnern markierter Weg durch den Dschungel aus Blockwerk f√ľhrt, der zwar nicht gerade eben ist, aber doch zumindest die tiefsten Gr√§ben und L√∂cher sinnvoll umgeht. Aber pl√∂tzlich bin ich von lauter Steinm√§nnern umgeben, die in alle Richtungen weisen. Ich folge denen, die den k√ľrzesten Weg zu kennen scheinen, obwohl ich wei√ü, dass der Weg eigentlich n√§her an der Rotspielscheibe vorbeif√ľhrt. Aber wo ein Steinmann ist, muss ja wohl auch ein Weg sein. Oder nicht? In diesem Fall nicht. Der Weg ist pl√∂tzlich voller tiefer L√∂cher. Und wei hei√üt eigentlich diese Gesteinform mit spitzen Rippen, die durch metertiefe beinbrecherische L√∂cher getrennt sind? Und was soll das Ganze? Haben hier wild gewordene H√∂hlenforscher jede Doline markiert, oder haben unterbesch√§ftigte Gebirgsj√§ger steinmannbauen ge√ľbt? Oder hat gar eine Schar Alpenschamanen im Akkord kraftspendende Steing√∂tte rerrichtet? Gerade, als ich am genervtesten bin, taucht der richtige Weg wieder auf.
Danach zeigt mir nur noch ein Murmeltier einen Vogel, und dann bin ich wieder am Hinterbrand.

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Kommentare

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Adrian aus Schneizlreuth

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Montag, 02-07-07 19:24
Ehrlich gesagt war mein erster Gedanke auch "waren wohl ein paar Alpenschamanen da". ;-) Aber dann hättest Du vielleicht eher einen Steinkreis gefunden. Vielleicht war's aber auch ein selbst ernannter Od*Chi-Fanclub, die alle mal ein Steinmandl bauen wollten. :-)

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